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Wenn man sich erfolgreiche Unternehmer oder Investoren anschaut, sieht man meistens die Entscheidungen, die funktioniert haben.

Man sieht die Unternehmen, die sie gekauft haben. Die Beteiligungen, die erfolgreich wurden. Die Immobilien, die im Wert gestiegen sind. Die Projekte, die umgesetzt wurden.

Was man deutlich seltener sieht, sind die Entscheidungen dagegen.

Die Unternehmen, die nie gekauft wurden. Die Projekte, die kurz vor der Umsetzung scheiterten. Die Ideen, die wieder in der Schublade verschwanden.

Dabei habe ich den Eindruck, dass genau dort oft der größte Wert entsteht.

In den vergangenen Jahren habe ich vermutlich dreißig bis fünfunddreißig Unternehmen, Beteiligungen und Projekte geprüft. Einige davon nur oberflächlich. Andere sehr intensiv. Bei manchen lagen bereits Kaufverträge auf dem Tisch. Für eines hatte ich sogar bereits eine Holding gegründet. Einige hätte ich vermutlich kaufen können. Andere sind aus unterschiedlichsten Gründen gescheitert.

Die große Überraschung für mich war jedoch, dass viele der besten Entscheidungen rückblickend nicht die waren, bei denen ich Ja gesagt habe.

Sondern die, bei denen ich Nein gesagt habe.

Die Illusion der perfekten Investition

Als ich anfing, mich intensiver mit Unternehmen, Immobilien und Beteiligungen zu beschäftigen, war ich relativ zahlengetrieben. Das liegt vermutlich auch an meinem Hintergrund.

Wenn man viele Jahre in großen Organisationen arbeitet, lernt man, mit Zahlen zu arbeiten. Business Cases. Forecasts. Planungen. Szenarien. Sensitivitätsanalysen.

Ich habe das immer gerne gemacht. Und natürlich spielen Zahlen eine wichtige Rolle. Trotzdem habe ich irgendwann gemerkt, dass sie oft nicht die entscheidende Rolle spielen.

Die meisten Menschen glauben, Investitionen würden hauptsächlich auf Excel entschieden. Ich glaube heute, dass die größten Risiken meistens dort liegen, wo keine Zahl auftaucht.

  • In den Menschen.

  • In den Prozessen.

  • In den Anreizen.

  • In der Kultur.

  • Im Vertrieb.

  • In der Umsetzung.

Und genau deshalb sind viele Investitionen deutlich komplizierter, als sie auf den ersten Blick erscheinen.

Die Projekte, die nie zustande kamen

Über die Jahre habe ich mir die unterschiedlichsten Projekte angesehen.

  • Handwerksbetriebe.

  • Immobilien.

  • Hotels.

  • Restaurants.

  • Private Equity Beteiligungen.

  • Technologieunternehmen.

  • Ein eigenes Startup im Bereich Pay-per-Use-Abrechnung.

  • Und weitere aus verschiedensten Branchen.

Eine Idee rund um KI-generierte Werbevideos lange bevor das Thema in aller Munde war.

Sogar die Eröffnung einer privaten Kita habe ich durchgerechnet, weil ich den Eindruck hatte, dass es in unserer Region einen echten Bedarf gibt.

Nicht jedes Projekt war gleich weit entwickelt. Manche blieben Gedankenspiele. Andere wurden sehr konkret. Und einige standen kurz vor der Umsetzung.

Interessanterweise scheiterten sie fast nie aus demselben Grund.

Mal waren die Zahlen nicht überzeugend. Mal war die Finanzierung schwierig. Mal passte die Branche nicht. Mal die Menschen. Mal das Timing.

Je mehr Projekte ich analysierte, desto mehr wurde mir klar, dass Investitionsentscheidungen selten schwarz oder weiß sind.

Es gibt selten den einen offensichtlichen Grund. Meistens ist es eine Kombination vieler kleiner Faktoren.

Das Unternehmen, das ich fast gekauft hätte

Eines der interessantesten Projekte war ein Unternehmen im Bereich Kühldecken, einem Gebäudetechniksystem, bei dem Räume über wasserführende Deckenelemente beheizt und gekühlt werden.

Wir waren sehr weit. Die Marktanalyse war gemacht. Die Kundenstruktur verstanden. Die Lieferanten geprüft. Die Verträge vorbereitet. Die Holding gegründet.

Aus finanzieller Sicht war das Projekt attraktiv. Das Unternehmen hatte interessante Perspektiven. Die Branche war spannend. Viele Dinge passten.

Von außen betrachtet hätte man sagen können: Warum macht ihr es nicht einfach?

Genau das ist der Punkt. Denn am Ende scheiterte das Projekt nicht an den Zahlen. Es scheiterte an einem Menschen. Oder genauer gesagt an einer Rolle.

Wir hatten früh erkannt, dass der Vertrieb einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren sein würde. Und wir hatten auch eine konkrete Person vor Augen, die wir dafür gewinnen wollten.

Jemand mit Erfahrung. Mit Netzwerk. Mit Glaubwürdigkeit in der Branche. Mit der Fähigkeit, das Wachstum zu treiben.

Das Problem war nur: Wir konnten diese Person nie vollständig für das Projekt begeistern. Und irgendwann mussten wir uns die ehrliche Frage stellen: Würden wir das Unternehmen auch kaufen, wenn diese Person am Ende nicht dabei ist?

Die Antwort lautete Nein.

Also haben wir das Projekt gestoppt.

Damals war ich enttäuscht. Heute halte ich es für eine gute Entscheidung. Nicht weil das Unternehmen schlecht war. Sondern weil eine zentrale Voraussetzung für den Erfolg nicht erfüllt war.

Die größten Risiken stehen selten in Excel

Diese Erfahrung hat meinen Blick auf Investitionen nachhaltig verändert.

Früher hätte ich wahrscheinlich stärker auf Umsatz, Gewinn und Wachstum geschaut. Heute interessieren mich andere Fragen mindestens genauso stark.

  • Wer trifft die Entscheidungen?

  • Warum funktionieren die Prozesse?

  • Wie abhängig ist das Unternehmen von einzelnen Personen?

  • Wer bringt die Kunden?

  • Wer hält die Mitarbeiter zusammen?

  • Was passiert, wenn diese Person morgen nicht mehr da ist?

Gerade bei kleineren und mittelständischen Unternehmen wird oft unterschätzt, wie stark der Erfolg an einzelnen Menschen hängt.

Der Eigentümer ist gleichzeitig Geschäftsführer, Vertriebsleiter, Problemlöser und kultureller Anker des Unternehmens.

Das funktioniert oft erstaunlich gut. Bis man das Unternehmen kaufen möchte. Dann stellt sich plötzlich eine unangenehme Frage:

Kauft man das Unternehmen?

Oder kauft man eigentlich den Eigentümer?

Diese Frage hat mich mehr als einmal davon abgehalten, einen Deal weiterzuverfolgen.

Gute Unternehmen sind nicht automatisch gute Investments

Eine weitere Erkenntnis hat mich überrascht.

Viele Menschen gehen davon aus, dass ein gutes Unternehmen automatisch auch ein gutes Investment sein muss.

Das stimmt nicht.

Ein Unternehmen kann hervorragend sein und trotzdem kein attraktives Investment darstellen.

  • Vielleicht ist der Kaufpreis zu hoch.

  • Vielleicht ist das Risiko zu groß.

  • Vielleicht hängt alles an einer Person.

  • Vielleicht fehlt die Skalierbarkeit.

  • Vielleicht passt es strategisch einfach nicht.

Umgekehrt können mittelmäßige Unternehmen unter bestimmten Umständen sehr interessante Investments sein.

Diese Unterscheidung wird häufig unterschätzt. Denn als Investor kauft man nicht nur ein Unternehmen. Man kauft Erwartungen.

Und die Frage ist nicht nur, ob das Unternehmen gut ist. Sondern ob die Erwartungen realistisch sind.

Warum Erfahrung oft zu mehr Neins führt

Eine interessante Beobachtung habe ich bei vielen erfahrenen Investoren gemacht.

Mit zunehmender Erfahrung werden sie oft vorsichtiger. Nicht aus Angst. Sondern weil sie mehr gesehen haben.

Sie wissen, wie viele Dinge schiefgehen können. Sie wissen, wie oft Pläne nicht aufgehen. Sie wissen, wie viele Variablen außerhalb der eigenen Kontrolle liegen.

Als junger Investor glaubt man häufig, der Erfolg liege darin, möglichst viele Chancen zu nutzen. Heute glaube ich, dass Erfolg oft darin liegt, die falschen Chancen auszusortieren.

Das klingt weniger spektakulär. Ist aber vermutlich näher an der Realität.

Die unsichtbaren Entscheidungen

Wenn wir erfolgreiche Menschen betrachten, sehen wir meist nur die sichtbaren Entscheidungen.

Die Firma, die gekauft wurde. Das Unternehmen, das gegründet wurde. Die Aktie, die sich verzehnfacht hat.

Was wir nicht sehen, sind die vielen Entscheidungen dagegen.

Die Absagen. Die Zweifel. Die verworfenen Ideen. Die Projekte, die nie zustande kamen. Die Investitionen, die bewusst nicht getätigt wurden.

Dabei sind diese Entscheidungen oft mindestens genauso wichtig. Vielleicht sogar wichtiger.

Denn Kapitalallokation bedeutet nicht nur zu entscheiden, wohin Geld fließt. Sondern auch, wohin es nicht fließt.

Mein Fazit

Wenn ich auf die vergangenen Jahre zurückblicke, dann habe ich nicht gelernt, schneller Ja zu sagen.

Ich habe gelernt, schneller Nein zu sagen.

Nicht aus Pessimismus. Nicht aus Angst. Sondern weil ich verstanden habe, dass jede Investition einen Preis hat.

Nicht nur finanziell. Sondern auch in Form von Aufmerksamkeit, Zeit, Energie und Opportunitätskosten.

Deshalb glaube ich heute, dass gute Investoren häufiger Nein sagen als Ja.

Und vielleicht ist die wichtigste Investitionsentscheidung am Ende gar nicht die, die man trifft.

Sondern die, die man bewusst nicht trifft.

Alexandre Dietz

Zwischen Unternehmertum und Kapitalmärkten schreibe ich über Ambitionen, Entscheidungen und Risiken, die langfristigen Erfolg prägen.

In den letzten Jahren habe ich Unternehmen aufgebaut, übernommen und weiterentwickelt. Als Fondmanager habe ich Verantwortung für Kapitalallokation und Anlageentscheidungen aus institutioneller Perspektive getragen. Und auf Management-Board-Ebene der Deutschen Bank an Strategie- und M&A-Projekten gearbeitet.

Die interessantesten Erkenntnisse stammen dabei selten aus Lehrbüchern, sondern aus Erfahrungswerten und Entscheidungen unter Unsicherheit.

Hier teile ich Beobachtungen, Analysen und Erfahrungen aus der Praxis.

Keine Erfolgsformeln. Kein Hype. Sondern Gedanken aus dem echten Spiel.

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